Warten auf die Fähre

Enttäuschungen schmecken uns nicht. Du wartest auf die Fähre. Im Fahrplan steht: 7.38 Uhr; du bist extra früher als sonst aufgestanden. Bist mit dem Auto zur Anlegestelle geeilt. Und jetzt? Warst sogar zwei Minuten zu früh da. Und nun? Es ist 7.40 Uhr und keine Fähre weit und breit.

 

Ob sie heute nicht fährt? Hinter dir steht noch ein Fahrzeug. Immerhin, ihr seid zu zweit. Auch dort trommelt der Fahrer nervös auf sein Lenkrad, steigt mit verärgerter Miene aus seinem Wagen und geht zum Fahrplan. Er nimmt seine Brille ab, kneift die Augen zusammen, schaut auf seine Armbanduhr und geht kopfschüttelnd weg. "Die Fähre müsste doch längst da sein", ruft er aufgebracht in die Richtung deines Autos. "Ich habe einen wichtigen Termin, drüben".

 

Was hast du vor? Wie wichtig ist dein Termin, drüben? Wohin musst du eilen? Was willst du noch schnell erledigen? Ja, die Fähre kommt nicht pünktlich, denn meine Fähre fährt, wann sie will. Mal früher, mal später. Du hast Glück, heute fährt sie später. Sonst wäre sie jetzt schon weg.

 

Du bist enttäuscht, dass die Fähre den Fahrplan nicht einhält. Und dabei ist alles nur eine Täuschung, deine Täuschung. Fahrpläne werden manchmal eingehalten und manchmal eben nicht. Aber deshalb gleich mit Ärger und Wut reagieren? Ja, lass deine Gefühle  da sein. Aber sei dir auch bewusst: Wer enttäuscht wird, ist vorher einer Täuschung aufgesessen. Das Leben ist. Nichts weiter. Kein Grund für Ärger, Wurt und Zorn. Und wenn meine Fähre ein paar Minuten später kommt, was solls, die Welt geht nicht unter.

 

Wichtig ist der Augenblick JETZT. Kostbar und nicht wiederholbar. Lass dich also ent-täuschen. Ohne Ärger und Wut. Es wartet nur das Leben auf dich.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Fähren-Feeling